Clubgründung und Feuertaufe in der Felsenau

An einem lauen Sommerabend fanden sich auf Initiative von Armin Mähr, im alten Gasthof „Krone“ in Feldkirch, die Gründungsmitglieder und der zukünftige Präsident Dr. Arnold Seeber ein. Sie beschlossen einen Motocross-Club, zuerst als Sektion Montfort des VATC und erst vier Jahre später als eigenen Verein „Motocross-Club-Montfort-Feldkirch“ zu gründen. Noch im gleichen Jahr wurde eine inoffizielle Veranstaltung auf dem Holzplatz in der Felsenau ausgetragen.
Es wurde nach einem geeigneten Gelände gesucht und dies wurde in Frastanz Ronnies gefunden, wo das erste offizielle Motocross-Rennen am 10. August 1958 stattfand. Lokalmatador war Armin Mähr, der im clubeigenen Rennen den ersten MCCM-Siegerkranz holte. Ein Jahr später wurde wieder auf dem gleichen Gelände gefahren, jedoch wurde das Rennen bereits international ausgeschrieben und der Cross-Sport wurde populär. Gründungsmitglieder: Dr. Arnold Seeber, Ing. Richard Walch, Ing. Walther Schlögel, Komm. Rat Hermann Mäser, Franz Ellensohn sen., Wilfried Stenzel, Komm. Rat Peter Fehr, Manfred Blenke, Armin Mähr

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Man wollte im motorsportlich ruhigen Vorarlberg Akzente setzen und den Motocross-Sport aus der Lethargie wecken. Dazu musste ein entsprechendes Gelände gefunden werden. Diese Eigenschaft besaß die „Klosterwiese“ in Altenstadt. So war es dann dank des Entgegenkommens seitens des Klosters möglich, ab 1960 auf einem – international gesehen – anspruchsvollen Gelände, größere Rennen abzuwickeln.
Diese Entscheidungen erwies sich rückblickend als goldrichtig, wurden doch in der Folge große motorsportliche „Schlachten“ ausgekämpft. Von Seiten der Zuschauer war gute Einsicht auf das Renngelände gegeben und die Verkehrsanbindung war optimal. Die Rennen in Altenstadt in den Jahren von 1960 bis 1964 übertrafen jährlich die Erwartungen und das Zuschauerinteresse war aufgrund der internationalen Fahrer enorm.
Große Namen – Staffellauf der Nationen
Dank dem finanziellen Rückhalt des Präsidenten Dr. Arnold Seeber konnten internationale Spitzenfahrer verpflichtet werden. Die Zweikämpfe der schwedischen und englischen Fahrer machten Geschichte. Man erinnere sich an Arthur Harris, den motocrossfahrenden Gentleman, an seine Landsleute Leslie Archer und Michael Curtis oder an die Schweden Kurt Gustavson, Roine Löof und Kurt Grahn, an die Schweizer Albert Courajod, Max Morf und Alfred von Arx oder an die Australier Jack Pringle, Roy East und Tim Gibbs und nicht zu vergessen an unsere Nachbarn aus Deutschland, angeführt von Alfred Braun.


Es ist an dieser Stelle natürlich nicht möglich, alle bekannten Namen anzuführen. Es wurde 1963 der Staffellauf der Nationen ins Leben gerufen. Damals waren 8 Teams zu je 4 Fahrern am Start. Dieser Staffellauf bildete einige Jahre den Hit im internationalen Programm.
Mythos „Montikel“ in Tosters tritt in Erscheinung
Durch das Aus auf der „Klosterwiese“ musste ein neues Gelände gesucht werden. Da viele Funktionäre und Helfer aus Tosters stammten, war es naheliegend, Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern vom Montikel aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen. Als Test für das im Sommer 1965 internationale Motocross, beschloss man im Frühjahr ein nationales Rennen – den so genannten „Tirol-Vorarlberg-Lauf“ – abzuhalten. Die Feuerprobe wurde glänzend bestanden. Für die große Veranstaltung im August wurden noch leichte Änderungen an der Strecke vorgenommen. Große Sieger damals waren die Fahrer aus dem Mutterland des Motocross-Sports: die Engländer John Burton und Jerry Scott.

Beginn der Beiwagen Ära in Feldkirch

Die Schweden Malmqvist/Lindshog waren 1967 die ersten Beiwagen-Sieger am Montikel. Da sich der Beiwagen-Sport immer größerer Beliebtheit in Mitteleuropa erfreute, konnte auch die FIM daran nicht vorbeisehen und führte 1971 den FIM-Pokal (Gesamtwertung aus mehreren Rennen) ein. Erstmals trat mit Bruno Schneider/Werner Fink ein Gespann aus Vorarlberg auf, das nicht Motocross-Geschichte schreiben sollte. Ab 1974 wurde der Bewerb offiziell als Europameisterschaft aufgewertet und gleich im ersten Jahr holten Schneider/Fink nach einem spannenden Kampf den Vizemeistertitel. Nur Grogg/Graber aus der Schweiz mussten sie in der Endabrechnung den Vortritt lassen. Unvergessen bleibt vielen Motocross-Fans die Schlammschlacht von 1975, bei der erstmals 2 Teams aus Russland mit ihren „Ural-Maschinen“ an den Start gingen und sich durch den Montikel „wühlten“.
Seitenwagenrennen und die Menge tobte
Seitenwagenrennen haben in Feldkirch immer wieder eine Faszination ausgelöst. Seitenwagen sind sozusagen das Salz in der Suppe. Wenn Gespanne beim Fallen des Startbalkens mit dumpfem Grollen aus die erste Kurve zupreschen, die Beifahrer sich mit waghalsigen, akrobatischen Einlagen aus dem Seitenwagen hinaushängen, dann tobt die Menge. In Glanzzeiten säumten bis zu 20.000 Zuschauer die Strecke.
Feldkirch war das „Mekka“ des Beiwagensports und es herrschte immer eine Länderkampf-Stimmung zwischen den sieggewohnten Schweizern, Holländern und Deutschen. Aber auch unsere einheimischen Fahrer Schneider/Fink, Weber/Meusburger und Fußenegger/Meusburger trugen ihrer dazu bei.

Ab 1980 Beiwagen-Weltmeisterschaft

Die FIM vergab aufgrund der großen Beliebtheit und des enorm hohen Startfeldes der Kategorie Seitenwagen offiziell den Weltmeisterschaftsstatus. Aufgrund des großen Teilnehmerfeldes musste Qualifikation gefahren werden und die besten 30 Teams wurden jeweils zum Start zugelassen. Der Montikel bebte, wenn der Start erfolgte, es in die erste Kurve ging und weiter zur Steilhang-Auffahrt. Dieses Spektakel erfolgte jährlich bis zum Jahre 1989. Aus Gründen des Umweltschutzes kam es zum Aus für Westösterreichs größte und beliebteste Motorsportveranstaltung.
Durchwachsene Zeit von 1990 bis 2004
Der MCCM kämpfte um die „Daseinsberechtigung“. So wurde 1990 und 1991 nach amerikanischem Vorbild ein Super-Cross durchgeführt. Leider wurde dies nach den jahrzehntelangen Beiwagen- und Solorennen vom verwöhnten Publikum nicht so angenommen. Weiters war es zu bedauern, dass es immer noch Bestrebungen gab, diese Motorsportveranstaltung in Vorarlberg regelrecht abzuwürgen. Nach 10 Jahren als Präsident trat John de Nijs zurück und als sein Nachfolger wurde 1992 der Präsident Otmar Walser gewählt. Er kämpfte dafür, den MCCM am Leben zu erhalten und so blieb man bei den zwei Rädern und beim Gelände – je – doch ohne Motor!


Es wurden in Tosters, St. Corneli Mountain-Bike Rennen bis zum Jahre 1999 veranstaltet. Höhepunkt war das Österreichische Cup-Finale 1995. Armin Mähr sah durch die Teilnahme seines Enkels in der Schweiz Pocket-Bike Rennen und hatte die Idee, solche Rennen auch in Vorarlberg durchzuführen. Gesagt, getan! So wurden von 2000 bis 2004 auf dem Grundstück der Firma Delacher in Tosters solche Rennen, die zur Schweizer Meisterschaft zahlten, abgehalten.
Auferstehung des „Montikels“
Nicht nur die älteren Motocross-Fahrer, auch die älteren Motocross-Maschinen erlebten schon seit Jahren einen zweiten Frühling. Sowohl in den Anfangszeiten des Cross-Sports, als auch später in den 60er und 70er Jahren vermochten sie die Zuschauer entlang der Rennstrecken mit ihren spektakulären Fahrten und ihrem unvergesslichen Motoren-Sound immer wieder zu begeistern. BSA, Triumph, Matchless, Norton, Maico, Husqvarna etc. waren die klingenden Maschinen-Namen. Mittlerweile gibt es mehrere internationale Rennen und Meisterschaften.


Aber nicht nur den Fahrern wird die Möglichkeit gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen, sondern auch ihre wunderschönen Maschinen können wie in einem Museum im Fahrerlager bewundert werden. Die Auferstehung des Monokels war 2005 gegeben – eine wunderschöne Veranstaltung, die in den kommenden Jahren ihre Fortsetzung haben soll. Aber nicht nur Oldies, sondern auch der heimische Nachwuchs und die große Menge von lizenzfreien Fahrern, sogenannten Hobbyfahrern, haben hier die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen.

